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„Liebesgeschichten“ im Wohnzimmer

Heide Horn

30. Juni 2016

Ein besonderer Abend für Literaturfreunde

Die Wohnzimmerlesungen von Unterfeldhaus-AKTIV haben sich zu einem kleinen, aber feinen literarischen Ereignis entwickelt. Begonnen hat es 2010 mit Lesungen zeitgleich in drei Wohnzimmern. Später gab es Lesungen im Gartencenter, beim Friseur und im Jugendzentrum. Einmal jährlich öffnet seither die Familie Geiss-Kuchenbecker ihr Haus zur Wohnzimmerlesung.

„Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung. Die Liebe aber ist die größte unter ihnen. Und Sie haben sich gegen 22 Paar Beine und für die Liebe entschieden. Ich halte das für eine gute Entscheidung. Ich hoffe, Sie werden das am Ende unserer Lesung auch so sehen." Mit diesen launigen Worten begrüßte Barbara Geiss-Kuchenbecker die 25 Gäste, die sich trotz des Achtelfinal-Spiels Deutschland - Slowakei im Wohnzimmer der Familie Geiss-Kuchenbecker zu der Lesung mit dem Titel "Liebesgeschichten" einfanden.

Zum 6. Mal fand das Projekt „Literatur in den Wohnzimmern“ des Vereins Unterfeldhaus AKTIV statt. Waren es am Anfang eher Freunde und Kollegen der Familie, so kamen in diesem Jahr zur Freude der Organisatoren in der Mehrzahl die Besucher aus Unterfeldhaus. Auf dem Programm standen zwei Geschichten aus dem Buch „Das Fremdenzimmer“ von Johannes Muggenthaler. Muggenthaler – in München beheimatet – ist zugleich Autor und Fotograf, der seine Bücher auch künstlerisch bebildert. Barbara und Stefan Weidle – seit 25 Jahren glücklich miteinander lebend und arbeitend – lasen die Liebesgeschichten.

Barbara Weidle nahm die Zuhörenden mit hinein in die Welt der Verkäuferin Konstanze, hinter die Wursttheke. Immer wieder wurde geschmunzelt und herzlich gelacht über die Wurstverkäuferin Konstanze. In ihrem weißen Kittel fühlt sie sich wie eine Oberärztin und sinniert über ihr Leben. „Wo ist der einfache, ehrliche Mann, der einer Fleisch- und Wurstverkäuferin sein Herz schenken will?“ fragt sie sich immer wieder. Und dann erzählt sie, wie sie fast einen Mann kennen gelernt hätte, der betrunken vor ihrer Wursttheke stand und ihre nackten Arme bewunderte. Ganz beschwingt vom Schicksal der Wurstverkäuferin gingen die Besucher in die Pause und plauderten angeregt im Garten bei einem Glas Wein.

Stefan Weidle las nach der Pause die etwas längere Geschichte „Der Ring“. Ein einsamer und zielloser Stadtmensch namens Mario wandert auf einen Berg und findet dort plötzlich einen Ehering mit der Gravur M&L, der, wie für ihn geschaffen, auf seinen Finger passt. Er versetzt ihn beim Pfandleiher, aber dann will er ihn unbedingt zurück haben, glaubt, der Ring sei ein Fingerzeig für ihn, um eine L – vielleicht eine Leni oder Lotte - zu finden. Die Zuhörer fieberten mit Mario bei seiner Suche nach dem Ring und die humorvoll geschilderten Wege, die dieser dabei nehmen muss, mit. Am Ende hat Mario – anders als gedacht – Erfolg mit seiner Suche und findet eine Luise, die bei ihm bleibt.

Begeistert spendeten die Anwesenden Applaus. Die beiden Geschichten hatten vielen so gut gefallen, dass die aus dem Weidle Verlag mitgebrachten Exemplare restlos ausverkauft waren. Nachdem ein Besucher auch noch das Fußballergebnis verkündet hatte, machten sich die Gäste auf den Heimweg. „Das hat sich wirklich gelohnt!“ „Im nächsten Jahr sind wir sicher wieder dabei – das ist so eine besondere Atmosphäre.“ „Vielen, vielen Dank für den schönen Abend.“ waren nur einige Rückmeldungen der sehr zufriedenen Zuhörerinnen und Zuhörer.

Unter begeisskuchenbecker@yahoo.de können Sie sich in den Verteiler für die Leseankündigungen aufnehmen lassen.

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